Die Legitimation politischer Herrschaft

Januar 2019

Die Vorbilder der Antike
Die griechische Polis-Gesellschaft und die Römische Republik
 

Alle politischen Geschäfte laufen darauf hinaus, über Andere zu regieren. (Aristoteles, Politik)

 

Die Verfassungsstaaten der Moderne, die sich als (parlamentarische) Demokratien bezeichnen, gehen zwar auf die antike griechische Demokratie zurück, haben aber über den Namen hinaus kaum etwas mit ihr gemeinsam. Die griechische bzw. athenische Demokratie war eine kurzlebige Schöpfung: Sie ist um 500 v. Chr entstanden und bereits im zweiten vorchristlichen Jahrhundert wieder untergegangen. Als politische Idee und theoretisches Vorbild hat sie allerdings nachhaltig weiter gewirkt, und das vermutlich deshalb, weil die Griechen sich erstmals methodisch mit den Problemen politischer Herrschaft befasst und die Frage nach einer sinnvollen Machtverteilung gestellt haben. Wer sollte in einer politisch organisierten Gesellschaft herrschen: Ein (allgemein anerkannter) Monarch (griech. μοναρχία [monarchía])- im Gegensatz zum Tyrannen (griech. τυραννίς [tyrannís]), dem Repräsentanten der angemaßten, gewaltsam durchgesetzten Alleinherrschaft), eine durch ihre Tugendhaftigkeit gerechtfertigte Aristokratie (griech. ἀριστοκρατία [aristokratía]- »Herrschaft der Besten«), die nach Polybios von Magalopolis allerdings unvermeidlich die Tendenz entwickelt, zu einer Oligarchie (griech. ὀλιγαρχία - »Herrschaft der Wenigen«) zu entarten, oder (kann und) soll sich der δῆμος (Démos - das »Staatsvolk«) selbst beherrschen, und auf welche Institutionen muss er sich dabei stützen? Damit haben die Griechen den Weg zu einer Diskussion über den Sinn und Zweck von politischer Ordnung und von Verfassungen gewiesen. Und diese ist bis heute nicht abgeschlossen.


Römisches Fascis (lat. fascis - 'Bündel', Pl. fasces): ein Ruten- bzw. Liktorenbündel, in dem ein Beil steckt. Die Fasces waren das Amtssymbol der hochgestellten, von Amtsdienern (Liktoren) begleiteten römischen Magistratsbeamten und damit ein Symbol der »Res publica«.

Die Athener bezeichneten ihren Staat als Πολιτεία (Politeía), als »die Sache, die die ganze Stadt angeht«; die Römer prägten die Formel »Senatus populusque Romanus« (abgekürzt SPQR - »Senat und Volk von Rom«). In der so proklamierten Selbstauffassung tritt bereits die personale Grundlage des Staatsgedankens in Erscheinung. Andererseits fällt es schwer, die antiken Ordnungsmodelle als »Staaten« im Sinne der modernen Begriffsprägungen wahrzunehmen; viele gesellschaftliche Bereiche, wie z.B. die innere Sicherheit, die soziale Vorsorge und überhaupt der Bereich der Daseinsvorsorge, waren in Athen und Rom staatlich nicht geregelt. Insofern finden wir dort viel weniger Staatlichkeit vor als in den entwickelten Verwaltungsstaaten unserer Gegenwart. Trotzdem erscheint es zwingend geboten, sich mit den verfassungspolitischen Grundlagen der antiken Gesellschaften auseinanderzusetzen, denn hier stehen wir an den Fundamenten des modernen Staatsgedankens; nur von dieser Basis aus konnte er entwickelt werden.

Manchmal erscheint uns die Gegenwart unverständlich. Aber die Geschichte stellt uns - wunderbar - den Zauberschlüssel der Analogie bereit … Diesen müssen wir benutzen! (Heinrich Heine)

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Januar 2019


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Stand: 5.I.2019