Die Legitimation politischer Herrschaft

Februar 2019

Die Vorbilder der Antike
Die griechische Polis-Gesellschaft und die Römische Republik
 

Alle politischen Geschäfte laufen darauf hinaus, über Andere zu regieren. (Aristoteles, Politik)

 

Die Verfassungsstaaten der Moderne, die sich als (parlamentarische) Demokratien bezeichnen, gehen zwar auf die antike griechische Demokratie zurück, haben aber über den Namen hinaus kaum etwas mit ihr gemeinsam. Die griechische bzw. athenische Demokratie war eine kurzlebige Schöpfung: Sie ist um 500 v. Chr entstanden und bereits im zweiten vorchristlichen Jahrhundert wieder untergegangen. Als politische Idee und theoretisches Vorbild hat sie allerdings nachhaltig weiter gewirkt, und das vermutlich deshalb, weil die Griechen sich erstmals methodisch mit den Problemen politischer Herrschaft befasst und die Frage nach einer sinnvollen Machtverteilung gestellt haben. Wer sollte in einer politisch organisierten Gesellschaft herrschen: Ein (allgemein anerkannter) Monarch (griech. μοναρχία [monarchía])- im Gegensatz zum Tyrannen (griech. τυραννίς [tyrannís]), dem Repräsentanten der angemaßten, gewaltsam durchgesetzten Alleinherrschaft), eine durch ihre Tugendhaftigkeit gerechtfertigte Aristokratie (griech. ἀριστοκρατία [aristokratía]- »Herrschaft der Besten«), die nach Polybios von Magalopolis allerdings unvermeidlich die Tendenz entwickelt, zu einer Oligarchie (griech. ὀλιγαρχία - »Herrschaft der Wenigen«) zu entarten, oder (kann und) soll sich der δῆμος (Démos - das »Staatsvolk«) selbst beherrschen, und auf welche Institutionen muss er sich dabei stützen? Damit haben die Griechen den Weg zu einer Diskussion über den Sinn und Zweck von politischer Ordnung und von Verfassungen gewiesen. Und diese ist bis heute nicht abgeschlossen.


Römisches Fascis (lat. fascis - 'Bündel', Pl. fasces): ein Ruten- bzw. Liktorenbündel, in dem ein Beil steckt. Die Fasces waren das Amtssymbol der hochgestellten, von Amtsdienern (Liktoren) begleiteten römischen Magistratsbeamten und damit ein Symbol der »Res publica«.

Die Athener bezeichneten ihren Staat als Πολιτεία (Politeía), als »die Sache, die die ganze Stadt angeht«; die Römer prägten die Formel »Senatus populusque Romanus« (abgekürzt SPQR - »Senat und Volk von Rom«). In der so proklamierten Selbstauffassung tritt bereits die personale Grundlage des Staatsgedankens in Erscheinung. Andererseits fällt es schwer, die antiken Ordnungsmodelle als »Staaten« im Sinne der modernen Begriffsprägungen wahrzunehmen; viele gesellschaftliche Bereiche, wie z.B. die innere Sicherheit, die soziale Vorsorge und überhaupt der Bereich der Daseinsvorsorge, waren in Athen und Rom staatlich nicht geregelt. Insofern finden wir dort viel weniger Staatlichkeit vor als in den entwickelten Verwaltungsstaaten unserer Gegenwart. Trotzdem erscheint es zwingend geboten, sich mit den verfassungspolitischen Grundlagen der antiken Gesellschaften auseinanderzusetzen, denn hier stehen wir an den Fundamenten des modernen Staatsgedankens; nur von dieser Basis aus konnte er entwickelt werden.

Manchmal erscheint uns die Gegenwart unverständlich. Aber die Geschichte stellt uns - wunderbar - den Zauberschlüssel der Analogie bereit … Diesen müssen wir benutzen! (Heinrich Heine)

Arbeitsblätter und Links

Januar 2019

 



Verfassungsgeschichte
des römisch-deutschen Kaiserreiches

Februar 2019

Schlacht von Dürnkrut und Jedenspeigen (1278)

Warum heißt das Mittelalter »Mittelalter«? Einfache Antwort: Weil es zwischen zwei anderen geschichtlichen (historischen) Perioden (Epochen), zwischen einer »alten« und einer »neuen Zeit« liegt, nämlich zwischen der Antike (deren Ende fällt mit dem Untergang des Römischen Reiches zusammen) und der Neuzeit (Bezugsdaten sind hier beispielsweise die Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus [1492] und die Reformation Martin Luthers [1517]). Das Mittelalter deckt also in etwa eine Zeitspanne von ungefähr tausend Jahren ab (ca. 500 - 1500). Genauer will sich da keiner festlegen. Die Menschen des Mittelalters wussten natürlich nicht, dass sie im »Mittelalter« lebten. Sie sahen sich in der Kontinuität der biblischen Schöpfungsgeschichte, die ihnen durch die christliche Kirche vermittelt wurde. Für die Menschen des Mittelalters war es wichtig, welchen Platzt sie in der Gesellschaft einnahmen: die gesamte Lebensführung eines Menschen hing davon ab, ob einer Fürst war oder Mönch oder nur ein einfacher Bauer. Der Alltag der Menschen wurde aber auch durch existentielle Nöte bestimmt, die Angst vor Kriegen, Versoergungskrisen und Seuchen. Die Welt der mittelalterlichen Menschen war sehr stark vom Christentum geprägt. Die Kirche gab den Menschen vor, was geglaubt und worüber nachgedacht werden sollte. Es war vor allem wichtig, ein gottgefälliges Leben zu führen, denn morgen schon konnte der »jüngste Tag« anbrechen, »Gottes Strafgericht« beginnen und die Erde untergehen, so glaubte man wenigstens ...

Der zeitliche Abstand von sechshundert Jahren läßt das Typische des menschlichen Charakters hervortreten. Im Mittelalter herrschten Lebensbedingungen, die von den unsrigen derart verschieden sind, dass man fast von einer fremden Zivilisation sprechen kann. Infolgedessen erscheinen uns die Eigenschaften, die wir in dieser fremdartigen Umgebung als vertraut wiedererkennen, als unveränderliche menschliche Natur.

Barbara Tuchman, Der ferne Spiegel


Paraphe Kaiser Ludwigs IV. (1327-1348)

Arbeitsblätter und Links

Februar 2019


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Regeln für das Zitieren
Regeln für das Zitieren - Beispiele

 



Stand: 14.II.2019