Geschichte der Weimarer Republik

Januar 2019


»Sie tragen die Buchstaben der Firma. Aber wer trägt den Geist?«, fragte ...

...der Simplicissimus-Karikaturist Thomas Theodor Heine in einer Ausgabe
des Satiremagazins von 1927, um damit ironisch auf die unternentwickelte Verfassungstreue von Bürgern und Parteien anzuspielen.
Die ungeliebte erste deutsche Republik war ein Resultat des verlorenen Weltkrieges. Die alliierten Siegermächte - Frankreich, Großbritannien, Italien und die USA - hatten bei Kriegsende im November 1918 ihre Bereitschaft zu Friedensverhandlungen an die Bedingung geknüpft, dass Deutschland demokratische Reformen einleiten sollte. Zudem hatte die durch den Kieler Matrosenaufstand (3. November) ausgelöste »Novemberrevolution« das ganze Reich erfasst. Am 9. November wurde die Abdankung Kaiser Wilhelms II. verkündet; die Regierungsgewalt ging auf den neuen sozialdemokratischen Reichskanzler Friedrich Ebert über. Noch am selben Tag kam es zur doppelten Proklamation der Republik: Erst rief der SPD-Politiker Philipp Scheidemann sie von einem Balkon des Reichstages aus. Nur wenige Stunden später rief der Links-Sozialist Karl Liebknecht vor dem Berliner Stadtschloss die Freie Sozialistische Republik aus.

Wenn der Kaiser nicht abdankt, dann ist die soziale Revolution unvermeidlich. Ich will sie aber nicht. Ich hasse sie wie die Sünde. (Friedrich Ebert, November 1918)

Die neue Regierung, von linken und rechten Extremisten gleichermaßen angefochten, versuchte, möglichst schnell Wahlen zu einer parlamentarischen Versammlung zu organisieren, um zu einer stabilen Legitimationsbasis zu gelangen. Doch verlief der Übergang alles andere als konflikfrei: Der »Spartakusbund«, eine linke Abspaltung der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD), der später in der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) aufgehen sollte, war nicht bereit, mit der Regierung zu kooperieren und auf ein parlamentarisches Regierungssystem hinzuwirken. Die »Spartakisten« träumten von einer umwälzenden Revolution, die zur Errichtung einer deutschen Sowjetrepublik führen sollte. Im Januar 1919 kam es in Berlin zum sogenannten »Spartakus-Aufstand«, den die Regierung Ebert schließlich mithilfe der Reichswehr niederschlagen ließ, die sich mit den Sozialdemokraten zu einem politischen Zweckbündnis zusammengeschlossen hatte. Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, die charismatischen Führungspersönlichkeiten der Linken wurden von Mitgliedern eines Freikorps festgesetzt und bestialisch ermordet.

Die Revolution sagt: Ich war, ich bin, ich werde sein! (Rosa Luxemburg am Tag vor ihrer Ermordung)


Die liberale Verfassung der Weimarer Republik - so benannt, weil die neugewählte, verfassungsgebende Nationalversammlung aus dem turbulenten Berlin in die beschauliche thüringische Residenzstadt Weimar ausgewichen war - trat am 14. August 1919 in Kraft, doch die Konflikte gingen weiter. Im Juni 1919 wurde der Friedensvertrag von Versailles unterzeichnet. In ihm wurde Deutschland und seinen Verbündeten die alleinige Kriegsschuld zugesprochen; die junge deutsche Republik musste sich zudem dazu verpflichten, hohe Reparationszahlungen an die Siegermächte zu leisten. Und auch durch die ihr aufgezwungenen Gebietsverluste, die man gleichwohl akzeptieren musste, um den gänzlichen Verlust der eigenen Souveränität zu vermeiden, sah sich die neue Staatsform sofort einer aggressiven Opposition durch politisch rechte, national-konservative Kräfte ausgesetzt. Die KPD und radikale Gruppierungen innerhalb der SPD griffen den neuen Staat von links an, indem sie der sozialdemokratisch geführten Reichsregierung vorwarfen, die Interessen der »Arbeiterklasse« verraten zu haben, da der Umbruch des Novembers 1918 nicht dazu benutz worden sei, eine tiefgreifende soziale Revolution herbeizuführen.

Die meisten Deutschen haben nur ein Gebet: Herr, unsere tägliche Illusion gib' uns heute! (Gustav Stesemann, Reichstagsrede 1924)


Nach der Ruhrbesetzung durch Frankreich und Belgien (Januar 1923) und dem Schock der ihr nachfolgenden Hyperinflation entspannte sich in den »Goldenen Zwanziger Jahren« die ökonomische und politische Lage Deutschlands kurzzeitig. Amerikanische Banken lenkten Kreditmittel nach Deutschland, um die Wirtschaft anzukurbeln; zugleich gewähleisteten sie die Bedienung der Reperationskonten - unter Berücksichtigung der deutschen Leistungsfähigkeit (Dawes-Plan [1924]). Eine durchgreifende Währungsreform, die allerdings den wirtschaftlichen Ruin von größeren Teilen des gewerblichen Mittelstandes besiegelte, sicherte die Kreditfähigkeit des Reiches. Die ausgleichende Außenpolitik Gustav Stresemanns, eines geläuterten natonal-liberalen Monarchisten, führte zu einer deutsch-französischen Annäherung. 1925 sicherte das Reich seinen westlichen Nachbarn, Belgien, Frankreich und Luxemburg, den Bestand der durch die Versailler Friedensordnung bestimmten Grenzen vertraglich zu. Ein Jahr später wurde Deutschland in den Völkerbund aufgenommen. Auch innenpolitisch beruhigte sich die Situation vorübergehend. Doch diese Phase der Stabilisierung ging mit der Weltwirtschaftskrise ab 1929 rasch zu Ende und führte zu einer auch politisch angespannteren Lage, die das Scheitern der Weimarer Republik begünstigte. Die wirtschaftlichen und sozialen Probleme, allen voran die hohe Arbeitslosigkeit, forcierten in den folgenden Jahren das Erstarken republikfeindlicher und nationalsozialistischer Kräfte.

Die letzten drei Reichsregierungen der Weimarer Republik, die nach dem Bruch der »Großen Koalition« im März 1930 zustandekamen, waren sogenannte Präsidialkabinette, die über keine eigene Mehrheit im Reichstag verfügten, sondern allein den Rückhalt des Reichspräsidenten besaßen - oder eben nicht. Zur parlamentarischen Durchsetzung ihrer gestalterischen Vorhaben blieben diese Minderheitsregierungen auf die Tolerierung (lat. tolerare - ertragen, [mit-]tragen) ihrer Politik durch Parteien angewiesen, die nicht zur Regierungskoalition gehörten. Nachdem die SPD ihren »Tolerierungs-Kurs« aufgegeben hatte, regierten sie vor allem mithilfe päsidialer Notverordnungen - die nach den Worten des Historikers Michael Freund im wahrsten Wortsinne Not verordneten - anstelle von Gesetzen; die parlamentarische Demokratie wurde auf diese Weise immer weiter ausgehöhlt.

In zwei Monaten haben wir Hitler so in die Ecke gedrückt, dass er quietscht. (Franz von Papen am 30. Januar 1933)


Die erst im Januar 1919 gegründete (Nationalsozialistische) Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) wurde schließlich zusammen mit Franz von Papen an der Regierung beteiligt und Hitler am 30. Januar 1933 zum Reichskanzler ernannt. Mit der Verkündung des »Ermächtigungsgesetzes« war der Weg zum nationalsozialistischen »Führerstaat« geebnet.

Arbeitsblätter und Links

März 2019

 



Die nationalsozialistische Diktatur

Mai 2019

Zum Jahresende 1932 meinte der liberale Publizist und Politiker Gustav Stolper das nahe Ende des Nationalsozialismus prognostizieren zu können:

»Das Jahr 1932 hat Hitlers Glück und Ende gebracht. Am 31. Juli hatte sein Aufstieg den Höhepunkt erreicht, am 13. August [1932] begann der Niedergang, als der Reichspräsident den Stuhl, den er ihm nicht zum Sitzen anbot, vor die Tür stellte. Seitdem ist das Hitlertum in einem Zusammenbruch, dessen Ausmaß und Tempo dem seines eigenen Aufstiegs vergleichbar ist. Das Hitlertum stirbt an seinem eigenen Lebensgesetz.«

Beobachter aus fast allen politischen Lagern teilten damals diese optimistische Einschätzung.Nur ein halbes Jahr später berichtete der französische Botschafter in Berlin, André François-Ponçet, seiner Regierung in Paris von einer Rede des Reichskanzlers Adolf Hitler vom 1. Juli, in der dieser den erfolgreichen Abschluß seiner »nationalen Revolution« und den Übergang zu einer neuen Phase der nationalsozialistischen Herrschaft angekündigt hatte:

»In der Tat konnte sich Hitler zum Zeitpunkt seiner Rede rühmen, alles, was in Deutschland außerhalb der nationalsozialistischen Partei existierte, zerstört, zerstreut, aufgelöst, angegliedert oder aufgesaugt zu haben. Einer nach dem anderen mußten sich die Kommunisten, die Juden, die Sozialisten, die Gewerkschaften, die Mitglieder des "Stahlhelms", die Deutschnationalen, die Frontkämpfer des "Kyffhäuserbundes", die Katholiken in Bayern und im Reich und die evangelischen Kirchen unter sein Gesetz beugen. Er hat alle Polizeikräfte in seiner Hand. [...] Eine unerbittliche Zensur hat die Presse vollständig gezähmt. [...] Hitler beherrscht die einzelnen deutschen Länder durch die Statthalter, die er an ihre Spitze gestellt hat. Die Städte werden von jetzt an verwaltet durch Bürgermeister und Stadträte aus seiner Anhängerschaft. Die Regierungen der Länder und die Landtage sind in den Händen seiner Parteigänger. Alle öffentlichen Verwaltungen wurden gesäubert. Die politischen Parteien sind verschwunden. [...] Wenn man sich die Situation ins Gedächtnis ruft, wie sie am 1. Februar bestand, und die Bedingungen, unter denen Hitler die Kanzlerschaft erlangte sowie die Zusammensetzung der Regierung, die er leitete und in der er eingerahmt war von Männern, die den Auftrag hatten, ihn zu lenken und zu überwachen, wird man zustimmen, daß der Führer erfolgreich ein blitzartiges Manöver durchgeführt hat. Die Zeitungen schreiben zu Recht davon, daß er in fünf Monaten eine Wegstrecke zurückgelegt hat, für die der (italienische) Faschismus fünf Jahre brauchte. [...]«

Am 30. Januar sind die Würfel in Deutschland gefallen. Und ich glaube nicht, dass denen, die damals gelacht haben, heute noch nach Lachen zumute ist. (Hitler am 6. Juli 1933)


Was der französische Botschafter beschreibt, war die erste Phase der nationalsozialistischen Machteroberung, deren Dynamik alle Zeitgenossen überrascht, wenn nicht überrumpelt hatte. Heute wie damals drängt sich die Frage auf, wie in einer so kurzen Zeit ein etabliertes und differenziertes System von politischen Parteien und gesellschaftlichen Verbänden, von Parlamenten und Verwaltungen zusammenbrechen oder sich selbst aufgeben konnte. Auch fragt sich, wie der rasante und scheinbar unaufhaltsame Aufstieg eines politischen Agitators zu erklären ist, der bis zu seinem 30. Lebensjahr, in politischer wie in gesellschaftlicher Hinsicht, ein Niemand war und der in den verbleibenden 26 Lebensjahren den Lauf der Geschichte so verhängnisvoll bestimmen sollte ...

Arbeitsblätter und Links

Februar 2019

 



Der Zweite Weltkrieg

Mai 2019

Der Zweite Weltkrieg von 1939 bis 1945 war der zweite global geführte Krieg sämtlicher Großmächte des 20. Jahrhunderts und stellt den größten militärischen Konflikt in der Geschichte der Menschheit dar. Er begann in Europa mit dem deutschen Überfall auf Polen am 1. September 1939. In Ostasien befand sich das mit Deutschland verbündete Kaiserreich Japan bereits seit 1937 im Krieg mit China und seit 1938 in einem Grenzkrieg mit der Sowjetunion. Im Kriegsverlauf bildeten sich zwei militärische Allianzen, die als Achsenmächte und Alliierte bezeichnet werden. Direkt oder indirekt waren über 60 Staaten an diesem Krieg beteiligt, mehr als 110 Millionen Menschen standen unter Waffen. Der Krieg kostete über 60 Millionen Menschen das Leben und erfasste den ganzen Erdball ...

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Mai 2019


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15.V.2019 (Mittwoch): Zehn-Stunden-Test



Stand: 11.V.2019